Kreis-Gutachten: Weniger Fluglärm am Boden ist schnell möglich

Main-Kinzig-Kreis. – Das Gutachten, das der Main-Kinzig-Kreis bei dem ausgewiesenen Experten Michael Morr in Auftrag gegeben hat, belegt es eindeutig: Schon heute könnten die Flugzeuge deutlich leiser über das Kinzigtal fliegen. „Eine Anhebung der Anflugrouten um 300 Meter ist als Sofortmaßnahme schon morgen umsetzbar“, brachten es Landrat Erich Pipa und Gutachter Michael Morr auf den Punkt. Diese einfache und schnell umzusetzende Forderung entspreche bereits einer Halbierung der empfundenen Lautstärke am Boden. „Wir fordern die Deutsche Flugsicherung auf, die Flugrouten unverzüglich um 300 Meter anzuheben“, unterstrich der Landrat in seiner Begrüßung. Es sei absolut unverständlich, warum die Bürgerinnen und Bürger diesem vermeidbaren Lärm ausgesetzt seien. Pipa und Morr verwiesen auf die Situation rund um Paris. Dort habe die französische Regierung die Vorgabe gegeben, den Fluglärm um die Pariser Flughäfen zu reduzieren. „Diese politische Vorgabe wurde zunächst in einem ersten Schritt durch die Anhebung der Flughöhen um 300 Meter umgesetzt“, berichtete der Landrat. „Was in Frankreich möglich ist, muss auch bei uns umzusetzen sein“, bekräftigte Pipa.

Der Landrat forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, sich weiter lautstark gegen den vermeidbaren Fluglärm zu engagieren. „Proteste wie die Montagsdemonstrationen zeigen, wie sehr alle in der gesamten Region unter diesem Fluglärm leiden“, verdeutlichte Pipa. Jede E-Mail, jede Äußerung, jede Beschwerde sensibilisiere die Verantwortlichen für die Situation in der Region. „Wir müssen weiterkämpfen“, forderte der Landrat die weitere Unterstützung aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger. An den Protesten komme keine Regierung vorbei.

In seinem Gutachten „Untersuchung und Bewertung von lärmmindernden Anflugverfahren für die Landerichtung 25 in Frankfurt“ kommt Gutachter Michael Morr zu dem Ergebnis, dass der Main-Kinzig-Kreis in drei Schritten vom vermeidbaren Fluglärm zu befreien ist. „Grundsätzlich sind Flugrouten so zu planen, dass die Flugzeuge so lange wie möglich so hoch wie möglich anfliegen“, beschrieb Morr. Mit der Anhebung der Anflughöhen um 300 Meter werde das Kinzigtal bereits deutlich entlastet, ohne dass der Lärm umverteilt werde. Wichtig sei ihm außerdem gewesen, dass all seine Vorschläge auf bestehenden Verfahren aufbauen und damit umsetzbar seien, sagte Morr. Zudem habe er die Simulationen mit den erwarteten Flugbewegungen für das Jahr 2020 durchgeführt. Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte sei eine Staffelung der Flugzeuge in einer Höhe von 2.400 Metern mit anschließendem Sinkflug trotzdem möglich. Bei diesem Verfahren werden Flugzeuge deutlich höher als bisher im Luftraum gestaffelt und anschließend im kontinuierlichen Sinkflug auf die Einflugpunkte geleitet. Auch dieses Verfahren, das zu einer deutlichen Entlastung der Bürgerinnen und Bürger im Main-Kinzig-Kreis führe, sei erfolgreich simuliert worden. Im Gegensatz zum heutigen Verfahren würden damit die langen Horizontalflüge in niedriger Höhe über dem Kinzigtal wegfallen. Dieses Verfahren sei mittelfristig innerhalb von 18 Monaten umsetzbar, betonte der Gutachter und bereite den Weg zum Point Merge-Verfahren, bei dem sich die Flugzeuge bereits in großen Höhen einreihen und dann zu einem Sinkflug ansetzen. Das Point Merge-Verfahren sei bereits erfolgreich in Oslo und Dublin eingeführt worden.

Landrat Pipa hob hervor, dass mit dem Gutachten der Beweis erbracht worden sei, dass lärmmindernde Anflugverfahren schnell umsetzbar seien. Der Main-Kinzig-Kreis werde dieses Gutachten nun in einen Antrag beim Luftfahrtbundesamt münden lassen. In dem Antrag, für den Anwalt Matthias Möller-Meinecke verantwortlich zeichne, werde das Luftfahrtbundesamt aufgefordert, die vom Gutachter aufgezeigten lärmmindernden Anflugverfahren umzusetzen. Sollte dem Antrag nicht entsprochen werden, werde der Kreis vor Gericht auf sein Recht pochen.

Eine neue Dimension habe der Fluglärm dann mit den vom Bundesamt für Flugsicherung nach den Vorschlägen der Deutschen Flugsicherung (DFS) genehmigten neuen Anflugrouten erreicht. Darin sei besiegelt worden, dass im Bereich zwischen Gelnhausen und Hanau im Horizontalflug in Höhen von 1.200 Metern und 1.500 Metern über Normalnull geflogen wird.


Quelle: Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises